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Schnitztechnik Teil I

Hier möchte ich Ihnen die wichtigsten Schnitztechniken zeigen.

Die meisten Fragen zu der "richtigen" Technik kommen erst beim Schnitzen. Nach meinem Erachten gibt es nicht eine allgemein gültige Technik, sondern viele Techniken die erst in der Kombination als Weg zum Schnitzwerk führen.
Da Holz ein "lebendiger" Werkstoff und nicht homogen ist, kann man die Arbeitsweise ebenfalls nicht über einem Kamm scheren. Man muss sich auf das Holz, seine Struktur und Lebendigkeit einlassen.
Daher benötigen die Arbeitsschritte ein wenig Verständnis zum Werkstoff Holz.
So lesen Sie in Fachbüchern Dinge wie "mit der Faser" oder "Quer zur Faser" schnitzen. Doch was bedeutet das? Dazu müssen wir zuerst wissen wie Holz entsteht und es wächst. Wenn Sie einen Baum im Wald sehen der 25 Meter oder höher ist, vergisst man schnell das auch dieser Riese sich aus einer Samenkapsel entwickelt hat.
Hier möchte ich eine vielleicht wissenschaftlich nicht korrekte, aber verständliche Erklärung wagen (wer es genauer wissen möchte schaut mal in die Wikipedia). Ein Baum wächst "pyramidenförmig" von innen nach aussen. Der Baum baut unter seiner Borke jedes Jahr eine neue Schicht Holz auf. Die Jahrringe entstehen. Die Jahrringe sind miteinander "verzahnt". Es bilden sich Fasern bzw. Transportkanäle zwischen den einzelnen Schichten (bei Eiche die s.g. Markstrahlen).
Gleichzeitig wächst der Baum in die Höhe, d.h. die Fasern werden länger. Die Fasern sind Röhren, die Nährstoffe und Wasser in die Blätter und das Holz transportieren. Im laufe der Zeit verstopfen diese Röhren durch Ablagerungen von Mineralien und Salzen, sie verholzen. Das geschieht wieder von Innen nach Aussen, darum ist das Holz in der Mitte meistens Härter, es bildet sich das Kernholz. Das "junge" Holz der äusseren Schichten nennt man Splintholz. Je nach Standort, Boden- und Lichtverhältnissen wächst der Baum schneller oder langsamer. Eins ist aber allen gemeinsam: die Jahrringe werden im Frühjahr (Frühholz) schnell und zum Herbst langsamer (Spätholz) aufgebaut. Das Frühholz ist weicher als das Spätholz. Extrem ist z.B. Tannenholz mit stark ausgeprägten Unterschieden zwischen Früh- und Spätholz. Wenn man das Holz schnitzt merkt man sehr die unterschiedliche Härte, der Schnitt springt von Jahrring zu Jahrring.
Damit erklärt sich warum manche Hölzer gut und andere schlechter zu schnitzen sind. Besser ist Holz mit vielen Jahrringen pro cm (z.B. mehr als 20 bei Kiefer), damit der Unterschied in der Härte der Jahrringe nicht so stark auffällt. Viele Jahrringe pro cm Holz bedeutet, dass der Baum sehr langsam gewachsen ist. Kurze nebeneinander liegende Fasern verhindern, dass sich lange Fasern von einander lösen. Die Bindung zwischen den Jahrringen ist nicht sehr hoch und kann mit einem Schnitzeisen schnell aufgebrochen werden. Das Holz splittert.
Bei Lindenholz gibt es kaum Unterschiede in der Härte der Jahrringe, es ist nicht zu hart, hat kurze Fasern und fast keine Härteunterschiede zwischen Kern- und Splintholz.


Jahrringe
Das ist eine Ansicht eines Holzstücks, bei dem die Jahrringe durch Linien verdeutlicht sind. Sie schauen also auf eine Schnittfläche, die entsteht wenn man einen Stamm durchschneidet. Im oberen Bereich sehen Sie eine leichte Farbveränderung parallel zu den Jahrringen. Das helle ist Frühholz, das dunkle Spätholz.
Faserverlauf
Hier ist der Faserverlauf eingezeichnet. Sie erinnern sich: die Fasern verlaufen im Baum von unten (der Wurzel) nach oben zur Krone.
mit der Faser schneiden
Wenn man mit einem Schnitzeisen entlang der Fasern schneidet, weiss man nicht ob man in Wuchs oder gegen die Wuchsrichtung schneidet. Mit der Wuchsrichtung schneidet das Eisen ohne das irgendetwas splittert. Es entsteht ein sauberer, speckig glänzender Schnitt. Wenn man flach gegen die Wuchrichtung schneidet, kann auch hier das Holz leicht splittern. Mit scharfen Schneiden ist das zwar minimal, aber in eine Richtung (in Wuchsrichtung) wird der Schnitt glatter.
gegen die Faser schneiden
Beim Schnitt gegen die Faser, bzw. dazwischen, platzt in der Regel das Holz weg. Das Eisen wirkt trotz seiner Schärfe wie ein Keil und trennt die Fasern voneinander ohne zu schneiden. Wenn man von oben nach unten schneidet passiert das nicht. Hätte ich das Eisen vom oben nach unten (rechts nach links) getrieben, währe ein sauberer Schnitt entstanden.
mit der Faser
Jetzt passiert folgendes: bis zum unteren Schnittpunkt schneide ich mit der Faser und dann plötzlich wieder gegen die Faser. Spätestens wenn ich merke, dass sich das Eisen "eingräbt" muss ich hier stoppen. Sie sehen schon einen leichten Riss! Die zweite Ursache liegt nicht am Holz sondern am Schnitzeisen. Das Schaft des Eisens liegt auf dem Holz auf und ich kann das Eisen nicht mehr nach oben führen.
mit der Faser
Um dem Dilemma einhalt zu gebieten muss ich jetzt einen Schnitt von der anderen Seite machen, damit man nicht wieder gegen die Faser schneidet. Es ist aber sehr problematisch den ersten Schnitt genau so zu treffen, dass ich an seinem Ende eine saubere Fläche hinterlasse. Das Holz ist ja bereits leicht gesplittert.
Quer zur Faser
Um die Arbeit zu beenden, wird jetzt ein Schnitt quer zur Faser gemacht. Mit einem der Höhlung angepassten Eisen wird jetzt quer zur Faser sauber geschnitten. Auch hier wieder on oben nach unten, um ein Absplittern zu vermeiden. Es wird nur ein ganz dünner Span abgehoben! Vorsicht am Rand, da splittert es auch ganz gerne ;-).
sauber schneiden
So kann es dann aussehen.
umgekehrt angesetztes Eisen
Wir haben nun gesehen wie man mit normalen Hohleisen einen Schnitt, der gehöhlt ist ausführt. Wenn ich aber eine gerundete Fläche haben möchte, kann ich das Hohleisen auch umgekehrt ansetzen (mit der Höhlung nach unten).
umgekehrter Schnitt
So siehts dann aus. Eine schöne Rundung.
umgekehrt mit der Faser
Hier habe ich den Schnitt vom Anfang mit einem umgekehrt angesetzten Hohleisen geschnitzt. Sie sehen das geht solange sich die Ecken des Eisen nicht eingraben. Dort wo der Faserverlauf von mit auf gegen die Faser ändert, platzt das Holz unkontrolliert auf. Der Talgrund wird nicht mehr erreicht. Um hier ein wenig Erleichterung zu bekommen, könnte man ein flacheres und breiteres Eisen verwenden. Die Rundung müsste dann durch mehrere nebeneinander liegende Schnitte geformt werden. Im tiefsten Punkt ist dann wieder Können gefragt. Hier muss dann mit sehr scharfen Eisen die Rundung quer zur Faser geschnitzt werden.
verkehrt gekröpftes Eisen
Diese Probleme lassen sich durch die verkehrt gekröpfte Eisen minimieren. Sie sehen, dass der Schnitt im Tal fast schon sauber ist. Leider sind diese Eisen nicht in allen Stichgrössen zu bekommen. Ich persönlich benutze meine Verkehrten ganz gerne.
Gegenüberstellung normale Eisen vs. verkehrt gekröpftes Eisen
Hier sieht man die Unterschiede etwas deutlicher. Das Gerade Eisen kann ab einem gewissen Punkt nicht mehr nach oben geführt werden. Das verkehrt gekröpfte Eisen schmiegt sich an den Berg und lässt dem Schnitzer mehr Bewegungsfreiheit. Natürlich auch nur bis zu einem gewissen Grad.

Mehr dazu lesen sie im Teil II..

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