Besucherstatistik:
5 Online,   323 Heute
728 Woche,   5946 Monat
43054 Jahr,   177940 Gesamt

Werkzeuge


Hier gehts um das wichtigste beim Schnitzen; die Werkzeuge.

Ich behaupte hier: ohne vernünftige Werkzeuge ist eine gute Schnitzerei gar nicht möglich!

Gute Werkzeuge zeichnen sich durch einige Qualitätsmerkmale aus:

Guter Stahl
Schnitzmesser bestehen aus einem kohlenstoffhaltigen Stahl. Er weist eine hohe Schneidhaltigkeit auf!
Ein Stahlrohling wird in einem Gesenkblock geformt. Dabei wird die Klinge, der Schaft, die Krone und die Angel ausgebildet. Das Hämmern während des Schmiedens einer Klinge erzeugt ein dichtes Metallgefüge und wird von den gängigen Herstellern angewandt.
Test: halten Sie ein Schnitzeisen an eine schnell rotierende Schleifscheibe, es entsteht ein heller, starker Funkenregen. Ist der Stahl niedrig legiert entstehen nur wenige Funken.
Gute Härtung der Klinge
Die Klinge ist im Schneidenbereich stärker gehärtet (spröde) und wird bis zur Angel immer weicher (elastischer).
guter Sitz im stabilen Heft
Die Angel sollte einen kantigen Querschnitt haben um ein verdrehen des Hefts zu verhindern. Sie sollte sich in einer Linie , also gerade am Schaft fortsetzen. Das Heft sollte im Idealfall aus Hickory oder Esche bestehen (Maserung längs des Hefts).
Aussreichend grosse Krone
Die Krone überträgt die Kraft die auf das Heft wirkt, auf die Klinge. Sie sollte bei grossen Eisen auch entsprechend gross ausgebildet sein. Der Durchmesser sollte aber nicht grösser sein als das Heft! Sonst muss das Heft entsprechend dicker sein (es sollte ein wenig überstehen).
Gleichmässige Klingenform
Bei Gesenkschmieden kann es vorkommen, das die Gesenkformen nicht richtig übereinander ausgerichtet sind. Es entsteht eine Klinge, die an einer Seite dicker ist, als an der Anderen. Bei den "guten" Herstellern sind diese Fehler seltener.

Auch heute noch werden die meisten Schnitzeisen in Handarbeit gefertigt. Durch die hohe Anzahl einzelner Arbeitsschritte resultiert auch der hohe Preis. Die Eisen müssen in Ihrem Arbeitsleben viele Fehler verzeihen und sollten Sie dabei unterstützen Ihre kreativen Ideeen umzusetzen. Werkzeuge aus Ostasien oder billig in der Ebucht angeboten versprechen meistens keine gute Qualität. Durch minderwertige Werkzeuge entstehen auch minderwertige Ergebnisse! Sie können sich sogar durch gebrochene Klingen oder gelöste Hefte verletzen. Stellen Sie sich nur einen Hammer vor bei dem sich der Kopf löst und unkontrolliert durch den Raum fliegt.
Diese Tipps gelten aber nicht nur in diesem Hobbybereich. Viele Verletzungen könnten vermieden werden, wenn man gute Werkzeuge einsetzt. So wird Ihr Automechaniker sicherlich nicht mit einem Schraubendreher arbeiten, den er an der Losbude gewonnen hat. Alle Handwerker kennen diese Probleme und kaufen deshalb nur geprüfte Markenware die zwar 10-20% teurer ist, aber immer noch billiger als 1 Woche Krankenhaus. Wenn Sie Geld sparen müssen, dann kaufen Sie sich bitte nur die Werkzeuge (im Fachhandel) die Sie umbedingt brauchen und lassen sich nicht von den Billig-Werkzeugkisten verlocken.

Werkzeugformen (Stiche) Teil I:



Aufbau Schnitzeisen

Als Stich bezeichnet man die Form, die ein Schnitzeisen beim senkrechten Eindrücken ins Holz hinterlässt.

Hier sehen Sie Beispiele der Stichformen bzw. Einstiche von Stich 1 (Balleisen, links) bis Stich 16 (V-förmig, rechts), die Stiche entsprechen der Stichbezeichnung des Schweizer Herstellers Pfeil:

Stichformen

Viele der Ursprünglichen Formen (Stiche) von Schnitzwerkzeugen basieren auf der Sheffield-Liste. Diese Liste war Ursprünglich ein Katalog bzw. Preisliste mit Produkten die damals in Sheffield hergestellt wurden. Die Nummerierung der Schnitz-Werkzeuge setzte sich in England schnell durch. In anderen Ländern lehnte man sich an dieses Bezeichnungssystem an.
Die Hersteller bezeichnen zuerst den Stich und dann die Breite des Werkzeugs z.B. 5/20 bedeutet Stich 5 (gerades Hohleisen) mit 20 mm Schneidenbreite.

Die Stiche sind Beispiele, die in ihrer Form, je nach Hersteller, anders ausfallen können.

nach der Sheffieldliste:
Nummer (Stich) Form
1 gerade Balleisen
2 schräge Balleisen
3-4 gerade Flacheisen
5-11 gerade Hohleisen
12-20 gebogene Flacheisen
21 gekröpfte Balleisen
22 rechts geschrägte Balleisen
23 links geschrägte Balleisen
24-32 gekröpfte Flach u. Hohleisen
33-38 verkehrt gekröpfte Hohl- u. Flacheisen
39-43 Gaissfüsse 60 GraD Keilwinkel
41-44 Gaissfüsse 45 Grad Keilwinkel
45-46 Gaissfüsse 90 Grad Keilwinkel

Nicht alle Hersteller halten sich an die alten Bezeichnungen. Die Stiche können und sollten Sie sich in den Katalogen der einzelnen Hersteller anschauen. Sie finden die Links zu einigen in Deutschland erhältlichen Herstellern auf der Link-Seite.


Werkzeugformen Teil II:



gerades Eisen gerades Eisen
Blumen-Eisen Blumeneisen
gebogenes Eisen gebogenes Eisen
gekröpftes Eisen geköpftes Eisen
verkehrt gekröpftes Eisen verkehrt gekröpftes Eisen
abgewinkeltes Eisen Hundsbein-Eisen

Wie Sie sicherlich sehen sind die hier Abgebildeten Eisen mit anderen Stichnummern versehen als die Sheffield-Liste vorgibt. Bei den Stichnummern gilt: von 1-11 je grösser die Zahl desto stärker die Kehlung, d.h. Stich 1 flach bis Stich 11 der U-förming ist. Es gibt ca. 350 verschiedene Schnitzeisen! Da auch ich nicht alle Stiche habe, kann ich Ihnen leider keine Bilder von Grat bzw. Macaroni- oder Fluteroni- oder Backeronieisen zeigen. Diese Eisen werden wie auch der Hohlschenklige Gaissfuss selten gebraucht.

Werkzeuge für Holzschnitte:
Diese Werkzeuge eignen sich auch zum Schnitzen, allerdings nur für Details und kleinere Schnitzereien in weichem Holz.
Die Stahlqualität ist genau die Gleiche wie bei den grossen Eisen. Aufgrund ihrer Grösse eigenen sie sich aber nicht für grössere Schnitzereien.
Sehr empfehlenswert z.B. bei Gesichtsschnitzereien oder Händen, da sich diese Eisen sehr gut führen lassen.
Holzschnitt Werkzeuge

Hier sehen Sie einen Grössenvergleich verschiedener Werkzeuge. Von oben nach unten sehen Sie ein Detail-Schnitzmesser, ein Holzschnittwerkzeug, Hohleisen eines unbekannten Herstellers, Flacheisen Zwillingwerk Solingen, gerades Hohleisen, normaler Stechbeitel.

Grössenvergleich

Klüpfel Der Klüpfel
Für gröbere Arbeiten, bei denen viel Holz abgetragen werden muss oder ein hartes Holz bearbeitet wird, braucht man einen Klüpfel.
Ein Bildhauer, oder Schnitzer-Klüpfel unterscheidet sich durch seine Form, Material und Gewicht von einem Eisenhammer. Die Klüpfel bestehen tradtitionell aus einem Hartholz. Beim Schlagen treffen so nur Holz auf Holz, was die Hefte der Eisen schont.
Klüpfel Grössenvergleich Meistens besitzt man zwei dieser Geräte, eines davon etwas leichter.
Neuerdings gibt es auch Klüpfel bei denen der Kopf aus Polyurethan gefertigt wird. Diese sind sehr empfehlenswert, da sie nicht verschleissen und das Material beim Arbeiten ganz leicht nachgibt. Das macht den Schlag leiser und schont die Gelenke sowie die Hefte der Eisen. Ich habe diese Werkzeuge erstmals in amerikanischen Foren und Webseiten gesehen. Mittlerweile besitze ich auch solche und würde sie nicht mehr hergeben.
In Deutschland sind diese Werkzeuge exklusiv bei Hobby-Versand Spangler zu beziehen.


Die nächste Frage die sich Ihnen jetzt aufdrängt ist: "Welche Eisen brauche ich als Anfänger?".

Diese Frage ist nicht ganz einfach zu klären. Es hängt davon ab was Sie schnitzen möchten. Ich würde Ihnen empfehlen sich ein paar gerade Eisen, mittlerer Grösse zu kaufen.
Balleisen Stich 1, 6 mm u. 12,
Flacheisen Stich 2, 6 mm u. 16 mm,
Hohleisen Stich 8, 6 mm u. 14 mm,
Gaissfuss Stich 39 (60 Grad) 10 mm.
Ein Detail- oder Rosenmesser kann auch nie schaden und vergessen Sie nicht sich einen Abziehstein zu kaufen!
Einen Klüpfel brauchen Sie erst wenn Sie mit grossen Werkzeugen viel Holz abtragen müssen, oder Sie mit hartem Holz arbeiten. Alles andere ergibt sich beim Schnitzen.

Sie werden mehr oder weniger schnell merken welche Eisen für Sie wichtig sind.

Wichtig ist nur das Sie sich nicht entmutigen lassen. Ich habe auch eine Menge Brennholz produziert, bis ich einigermassen, in meinen Augen, schöne Schnitzereien hatte. Mein Tipp: versuchen Sie sich mal an dem Holzschuh! hier machen Sie bereits einige wichtige Erfahrungen, das Material ist nicht teuer und Sie benötigen nicht viel Werkzeug.
Ganz wichtig: nur mit wirklich scharfen Werkzeugen erhalten Sie eine gute, glatte Oberfläche!


Seitenanfang