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Aller Anfang ist..... leicht!

Jetzt werden Sie denken "Ob das wirklich so ist?" Es ist! Sie benötigen für den Anfang nur ein Stück Holz und ein scharfes Messer.
Als Messer eignet sich eigentlich jedes Messer mit fester bzw. feststellbarer Klinge. Ich würde Ihnen trotzdem zum Anfang raten sich ein "richtiges" Schnitzmesser zu leisten. Diese haben den Vorteil genau für diesen Zweck hergestellt zu sein. Sie vereinen schneidhaltigkeit, geeignete Klingenform, Material (meist leicht flexibler Stahl) und passender Griff in einem. Kostenpunkt für ein "Rosenmesser" (fast ein Universalmesser) liegt unter 10 Euro. Zusätzlich benötigen Sie einen Schleifstein, etwas Öl (es gibt spezielle Schleiföle, es geht auch Nähmaschinenöl), einen Lederrest und Polierpaste (hier geht zur Not auch Chrompolitur oder sogar Scheuermilch).

Als erstes muss das Messer scharf gemacht werden ;-).

Schärfen Video

Schärfen:
Dazu wird die Klinge in einer kreisenden Bewegung auf dem Schleifstein bewegt. Scheifen Sie beide Seiten der Schneide abwechselnd (siehe Video). Ein Tropfen Öl verhindert das Ausglühen der Schneide (Härteverlust) und verhindert das sich der Metallabrieb am Stein festsetzt. Der Winkel sollte bei weichem Holz zwischen 15° und 20°, bei hartem Holz 20° bis 30° betragen.
Falls sich tiefe Riefen in den Schneide befinden, benutzen Sie erst die grobe Seite des Steins. Schleifen Sie solange bis die Riefen nicht mehr zu sehen sind. Schleifen Sie dann auf der feinen Seite bis ein Grat entsteht. Dieser Grat ist das Metall, dass so dünn ist, dass es sich hochbiegt. Kann man mit einer Lupe gut sehen, aber besser fühlen! Vorsicht nicht schneiden!


geschliffene Schneide, mit Grat

Schleifwinkel

Versuchen Sie beide Seiten gleichmässig zu schleifen und die Schneidenmitte zu treffen. Nur so bleibt die Schneide lange scharf. Bitte holen Sie keinen Winkelmesser aus der Schublade, wenn der Winkel nicht genau stimmt. Es kann sein, dass winzige Teile aus der Klinge brechen und sie schartig wird wenn der Winkel zu klein ist, oder der Winkel ist zu stumpf und das Messer schneidet nicht richtig. Dann kann man neu schleifen und den Winkel ein wenig verändern.
Ach ja, auch hier gilt: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen!


Abziehen Video

Abziehen:
Beim Abziehen wird der entstandene Grat beseitigt und die Schneide poliert (das erhöht die Schärfe).
In die Fleischseite (die rauhe Seite) des Leders wird ein wenig Polierpaste gerieben, das erhöht die Polierwirkung und verhindert ein verbrennen der Klinge. Der Winkel sollte beim Abziehen mit dem des Schärfens identisch sein. Wenn Sie alles richtig gemacht haben können Sie sich mit der Schneide rasieren.


abgezogene, polierte Schneide

Der hier verwendete Schleif- oder Abziehstein stammt aus dem Baumarkt (ca. 5 Euro). Er hat eine Grobe und eine Feine Seite. Bei längerer Benutzung höhlen sich alle Steine in der Mitte aus. Das kann problematisch werden wenn man flache Eisen schärft, die Schneide liegt jetzt nicht mehr komplett auf. Man kann für Ahilfe sorgen, indem man den Stein abrichtet. Das ist ganz einfach: Schleifpapier für Metall mit einer 180er Körnung auf eine dicke Glasplatte oder Granitfliese kleben. Dann den Stein unter mässigem Druck in kreisenden Bewegungen auf dieser "Schleifplatte" abrichten (Scheifpapier ab und zu mit einer harten Bürste reinigen). Wichtig: verwenden Sie hier kein Öl!

TIP: Falls Sie öfters gerade Schneiden schärfen wollen oder müssen, empfiehlt sich auch der Kauf einer oder zweier Diamant-Abziehplatten. Das sind Metallplatten in denen Industriediamanten eingebettet sind. Diese sind in Messergeschäften teilweise auch Waffengeschäften erhältlich (Kostenpunkt je nach Grösse ca. 20 - 80 Euro). Die Platten höhlen sich nicht aus und sind sehr Plan. Sie müssen beim Schleifen mit Wasser benetzt werden und können auch so gereinigt werden. Der Verschleiss ist sehr gering. Es kann auch gehärteter Stahl (z.B. Schneiden von Widia-Bohrern) geschärft werden.

Jetzt geht los!

Wir zeichnen uns ein einfaches Muster auf ein Stück Holz.

Wir schneiden zweimal senkrecht ca. 2-3mm ein, an der Spitze etwas tiefer!

Jetzt wird mit dem Messer horizontal der dritte Schnitt gemacht. hier: Video ansehen

Hier sehen wir ein fertiges Muster. Wichtig: üben sie diese Schnitte! (Ihre sehen dann bestimmt besser aus als meine ). Das ist der sogenannte DREI-Schnitt (vermutlich heißt der so, da er aus drei Schnitten besteht).

Solche Muster können Sie mit dem gleichen Messer fertigen.


So, nachdem Sie jetzt ein wenig geübt haben ;-), kommt der Teil für die Fortgeschrittenen (also die noch nicht Frustrierten).
Das was jetzt folgt ist die Anleitung zum so genannten Sechsschnitt (wohl weil der aus sechs Schnitten besteht).

Wir zeichnen uns ein einfaches Muster auf ein Stück Holz. Drei Linien im Abstand von je 1 cm. Auf der Unteren und Oberen Linie alle 2 cm eine Markierung, oben nur um 1 cm verschoben.
Jetzt verbinden wir die Markierungen von unten nach oben (A-B, C-B), so dass ein dreieckiges Muster entsteht (siehe Bild).
Anschliessend von A, B, C nach D.

Schritt 1: Wir schneiden dreimal senkrecht ein (von D nach A, B, C), in der Mitte (D) etwas tiefer!
Schritt 2-4: drei Horizontalschnitte (schwarz A-C, blau B-C, orange A-B) zur Mitte hin (D) tiefer.

Es ergibt dieses Muster.

Wenn Sie die gleichen Schnitte von der andern Seite nochmals ausführen erhalten Sie dieses Muster.


Mit diesen Schnitten können Sie alle möglichen Geometrischen Figuren schnitzen. Die Seiten können auch geschweift sein und müssen nicht Gerade sein.

Die restlichen Bleistiftstriche können Sie mit einem weichen Radiergummi entfernen. Ein Überschleifen ist nicht so gut, die Kanten würden stumpf und die Wirkung der Schnitzerei ist hin.
Als letztes sein noch gesagt: versuchen Sie verschiedene Holzstücke, achten Sie auch auf eine gleichmässige Maserung. Es kann teilweise problematische Holzstücke geben, die sich schlecht schnitzen lassen und ausbrechen. Bevor Sie sich an eine grössere Arbeit machen, üben Sie zuerst an einem Reststück des gleichen Holzes.

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